News 24.08.2026

Ohne ein freies Ukraine kein freies Europa

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Am 24. August feiert die Ukraine ihren Unabhängigkeitstag – im fünften Jahr eines Krieges, der ihr aufgezwungen wurde und den sie mit bemerkenswerter Widerstandskraft führt. Das erfüllt uns mit Stolz: für ein Land, das sich nicht kleinkriegen lässt, und für Menschen, die unter Beschuss weiterleben, weiterarbeiten, weiterlieben, ihre Kinder großziehen und ihre Kultur bewahren, als wäre das selbstverständlich. Es ist es nicht.

Dieser Stolz ist untrennbar mit Dankbarkeit verbunden. Deutschland hat der Ukraine in dieser Zeit beigestanden – mit Waffen, mit Aufnahme, mit politischer Unterstützung, die keine Selbstverständlichkeit war. Millionen Menschen fanden hier ein Dach über dem Kopf, Kinder eine Schule, Familien eine Atempause von der Angst. Dafür danken wir aufrichtig, ohne Wenn und Aber.

Und doch, wenn man innehält und ehrlich nachdenkt, drängt sich eine unbequeme Frage auf: Haben wir – Ukrainer wie Deutsche – wirklich verstanden, was in diesen fünf Jahren auf dem Spiel steht? Es ist leicht, Solidarität zu zeigen, wenn sie wenig kostet. Schwerer ist es, sie durchzuhalten, wenn der Krieg zum Alltag wird, wenn Nachrichten aus der Ukraine zur Gewohnheit verblassen, wenn Müdigkeit sich als Realismus tarnt. Genau in diesem Moment – nicht am Anfang eines Krieges, sondern in seinem fünften Jahr – zeigt sich, ob eine Partnerschaft trägt oder nur eine Reaktion war.

Denn dieser Krieg ist keine ukrainische Angelegenheit, die man aus sicherer Entfernung verfolgt. Er entscheidet über die Sicherheitsordnung, in der auch Deutschland und Europa leben werden. Was an der ukrainischen Front verteidigt wird, ist keine fremde Grenze – es ist die Grenze, an der Europas eigene Sicherheit hängt. Das zu erkennen erfordert keine Sentimentalität, nur einen klaren Blick auf die Landkarte und die jüngere Geschichte.

Deshalb gilt: Diese Herausforderung lässt sich nur gemeinsam bewältigen. Nicht als Hilfe von außen für ein Land in Not, sondern als gemeinsame Aufgabe zweier Partner, die – oft erst durch diesen Krieg – gelernt haben, wie eng ihre Zukunft miteinander verwoben ist. Die Ukraine gibt inzwischen selbst etwas zurück, das sich nicht in Waffenlieferungen aufwiegen lässt: Erfahrung, Härte, das Wissen, was Verteidigung im 21. Jahrhundert tatsächlich bedeutet.

An diesem Unabhängigkeitstag steht daher neben Freude und Dank auch ein Moment des Nachdenkens: über das, was gemeinsam bereits geleistet wurde, und über das, was noch an gemeinsamer Anstrengung nötig ist, damit dieser Stolz Bestand hat.

Ohne ein freies Ukraine kein freies Europa. Das ist keine Formel – das ist die Lage, in der wir gemeinsam stehen.