Prinzipien und Werte

29.07.2025

Identität und Verantwortung

Wir als Dachverband der Ukrainischen Organisationen in Deutschland (DUOD) sehen uns in der Verantwortung, die ukrainische Identität zu bewahren: Sprache, Kultur, historisches Gedächtnis, staatliche Tradition, die geistigen Grundlagen der ukrainischen Nation und ihre Würde.

Ukrainer zu sein bedeutet nicht einfach, einen Pass zu besitzen. Ein Ukrainer ist, wer sich mit der Ukraine identifiziert, im Interesse der ukrainischen Gemeinschaft handelt, ihre Werte teilt und danach strebt, Ukrainisch zu sprechen – auch wenn dies nicht immer leicht ist. Identität zeigt sich in einer bewussten Entscheidung, in Worten, in Handlungen und in der Haltung gegenüber dem eigenen Volk und dem eigenen Land.

Kampf und Staatlichkeit

Die ukrainische Identität ist das Ergebnis eines jahrhundertelangen Kampfes um Freiheit, Würde und Selbstbestimmung. Wir ehren die Generationen, die im Terror, in Kriegen, unter Verfolgung, Erniedrigung, Haft, in Todeslagern, im Holodomor‑Genozid sowie unter Missachtung und Leugnung der ukrainischen Identität gelitten haben oder ihr Leben verloren – und dennoch nicht aufgegeben haben. Sie haben nicht nur standgehalten, sondern auch Siege errungen – militärische ebenso wie geistige und kulturelle Leistungen: auf dem Schlachtfeld ebenso wie in Wissenschaft, Kultur, Bildung und beim Wiederaufbau der Staatlichkeit.

Der heutige Krieg ist die Fortsetzung des jahrhundertelangen Kampfes des ukrainischen Volkes um das Recht, Ukrainer zu sein – offen, würdevoll und ohne Angst auf eigener ukrainischer Erde. Er verlangt Stärke, Würde und Entschlossenheit. Selbst in schwersten Zeiten zeigt die Ukraine Ausdauer, Willen und die Fähigkeit zum Sieg – militärisch, moralisch, kulturell und diplomatisch.

Für uns ist die ukrainische Staatlichkeit nicht einfach eine politische Hülle, die je nach politischer Konjunktur oder Interessen einzelner Gruppen mit beliebigem Inhalt gefüllt werden kann. Sie ist Ausdruck historischer Gerechtigkeit, der Würde und der Verwirklichung des Rechts des ukrainischen Volkes auf Selbstbestimmung – und wir sind verpflichtet, sie zu bewahren, zu verteidigen und weiterzuentwickeln.

Erinnerung und historische Erfahrung

Wir vertreten eine klare und positive Haltung gegenüber der ukrainischen Befreiungsbewegung – sowohl der historischen als auch der heutigen, einschließlich der Freiheitskämpfe des 20. Jahrhunderts und des heutigen Widerstands gegen russische Aggression. Wir erkennen an, dass die historischen Beziehungen zu einigen unserer Nachbarn schmerzhaft und komplex waren – insbesondere dort, wo ihre staatlichen Strukturen auf Gebieten mit überwiegend ukrainischer Bevölkerung entstanden. Über lange Zeit hatten Ukrainer im eigenen Land keine politische Selbstbestimmung, besaßen keine gleichen Rechte und waren häufig Repressionen, Diskriminierung und gewaltsamer Unterdrückung ausgesetzt. Wir rufen dazu auf, die schwierigen Seiten der Vergangenheit im Kontext der kolonialen Erfahrung zu verstehen – nicht außerhalb von ihr. Vor diesem Hintergrund entstanden die brutalen Konflikte, an die wir uns heute mit Schmerz erinnern, häufig als Reaktion auf systematische Erniedrigung, Rechtlosigkeit und Gewalt. In diesem Geist glauben wir an die Kraft der Formel: »Wir bitten um Vergebung und vergeben selbst« – als Grundlage eines ehrlichen und würdevollen Dialogs über eine schwierige Vergangenheit.

Wir begegnen allen mit Respekt, die sich im Kampf für die ukrainische Staatlichkeit erhoben haben: für die Ukrainische Volksrepublik (UNR), die Westukrainische Volksrepublik (ZUNR) und für die Wiederherstellung eines unabhängigen ukrainischen Staates in allen Perioden seiner Geschichte.

Wir glauben, dass selbst die schmerzhaftesten Seiten der Vergangenheit zur Grundlage einer besseren Zukunft werden können und sollen. Dabei inspiriert uns das Motto: "Freiheit den Völkern, Freiheit dem Menschen" – nicht nur als Erinnerung an die Befreiungsbewegungen der Vergangenheit, sondern als lebendige moralische Orientierung.

Ebenso ist für uns der Ruf "Slawa Ukrajini – Herojam slawa!" keine bloße Formalität. Er ist Ausdruck nationaler Würde, Dankbarkeit und Solidarität – und ein Aufruf zu verantwortlichem Handeln heute.

Die ukrainische Gemeinschaft in Deutschland

Wir fördern die Entwicklung der ukrainischen Emigration und Gemeinschaft in Deutschland. Gleichzeitig wollen wir die Ukraine nicht durch einen Abfluss ihres menschlichen und intellektuellen Potenzials schwächen. Wir arbeiten in den Bereichen Bildung, Integration und Kultur und befassen uns auch mit politischen Fragen: Wir vertreten die Interessen der ukrainischen Gemeinschaft, werben für die Unterstützung der Ukraine und pflegen den Dialog mit deutschen Institutionen und Parteien. In diesem Zusammenhang beschäftigen wir uns auch mit Fragen der Integration und des Schulwesens – stets auf der Grundlage der Bewahrung der ukrainischen Identität, der Sprache und der Verbindung mit der Heimat. Für uns bedeutet Integration nicht Assimilation, sondern eine würdige Präsenz und Sichtbarkeit der ukrainischen Gemeinschaft im demokratischen Raum Deutschlands und Europas. Die Entwicklung der Ukraine ist für uns Priorität und moralische Verpflichtung.

Die globale Dimension des Ukrainertums

Wir sind die zentrale Vertretung des Ukrainischen Weltkongresses (UWC) in Deutschland und Mitglied des Europäischen Kongresses der Ukrainer (EKU). Wir verstehen uns als untrennbaren Teil und aktiven Teilnehmer des weltweiten Ukrainertums.

Handlungsprinzipien

Unsere Prinzipien sind grundlegend und unverrückbar. Wir sind keine ausführende Struktur irgendeines staatlichen Organs der Ukraine und handeln unabhängig – geleitet von Gewissen und Verantwortung gegenüber dem ukrainischen Volk.

Gleichzeitig sind wir offen für die Zusammenarbeit mit allen, die aufrichtig das Wohl, den Sieg und die Entwicklung der Ukraine und des weltweiten Ukrainertums wünschen und das Motto teilen: "Freiheit den Völkern, Freiheit dem Menschen".