Holodomor. Geplanter Hunger.
Der Versuch, eine Nation auszulöschen.
1932–1933 starben Millionen Ukrainer. Ihr Leid verpflichtet uns zur Erinnerung.
Der Holodomor von 1932–1933 gehört zu den größten Verbrechen des 20. Jahrhunderts. Millionen Menschen in der Ukraine starben, nachdem das stalinistische Regime ihnen systematisch die Lebensgrundlage entzog und Hunger als Instrument der Gewalt einsetzte, um Widerstand zu brechen und die ukrainische Gesellschaft zu zerstören.
Auch andere Regionen der Sowjetunion waren von Hunger betroffen. In der Ukraine jedoch verband sich die Katastrophe mit umfassenden politischen Repressionen gegen zentrale Träger der Gesellschaft.
Mit großer Klarheit zeigt die historische Forschung heute: Der Holodomor war kein Naturereignis und kein tragischer Zufall, sondern ein von staatlicher Politik bewusst begangenes Verbrechen.
Die Erinnerung an den Holodomor ist daher mehr als nur historische Aufarbeitung. Sie ist ein Auftrag, die Würde der Opfer zu bewahren und dieses Verbrechen klar zu benennen.
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Brotschlange vor einem Torgsin-Geschäft in Charkiw, 1933
Menschen warten während der Hungersnot in einer langen Schlange vor einem Torgsin-Geschäft in Charkiw auf Brot. Die Aufnahme entstand 1933 und gehört zu den wenigen fotografischen Zeugnissen des Holodomor. Foto: Alexander Wienerberger, Sammlung Kardinal Theodor Innitzer (Archiv der Erzdiözese Wien).
Hungernde Bauern verlassen ihr Dorf auf der Suche nach Nahrung, 1933
Hungernde Bauern verlassen während der Hungersnot ihr Dorf und machen sich auf den Weg in die Stadt, in der Hoffnung, dort Nahrung zu finden. Die Aufnahme gehört zu den wenigen fotografischen Zeugnissen des Holodomor.
Mädchen – Opfer der Hungersnot. Charkiw, 1933
Porträt eines ausgehungerten Mädchens während des Holodomor in Charkiw im Jahr 1933. Die Aufnahme gehört zu den wenigen fotografischen Zeugnissen der Hungersnot von 1932–1933 in der Ukraine.
Opfer der Hungersnot. Region Charkiw, 1933
Opfer der Hungersnot während des Holodomor in der Region Charkiw im Jahr 1933. Die Aufnahme gehört zu den wenigen fotografischen Zeugnissen der Hungersnot von 1932–1933 in der Ukraine.
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Ort eines Massengrabs von Opfern der Hungersnot während des Holodomor in der Region Charkiw im Jahr 1933. Die Aufnahme gehört zu den wenigen fotografischen Dokumenten der Hungersnot von 1932–1933 in der Ukraine.
„Das Begraben von Toten ist hier streng verboten.“ Aushang am Stadtrand von Charkiw, 1933
Aushang am Stadtrand von Charkiw während des Holodomor im Jahr 1933 mit der Aufschrift „Das Begraben von Toten ist hier streng verboten“. Die Aufnahme gehört zu den wenigen fotografischen Zeugnissen der Hungersnot von 1932–1933 in der Ukraine.
Holodomor 1932–1933: Die wichtigsten Fakten
Bereits während der Kämpfe um die Ukraine nach der Revolution von 1917 griffen die Bolschewiki zu Terror und Zwangsrequisitionen. Die Hungersnot von 1921–1923 zeigte der sowjetischen Führung, dass Hunger ein wirkungsvolles Mittel zur Kontrolle der Bevölkerung sein konnte. In den frühen 1930er Jahren griff das stalinistische Regime erneut auf diese Erfahrung zurück – mit katastrophalen Folgen für die Ukraine.
- Begriff „Holodomor“
- Das ukrainische Wort Holodomor setzt sich aus holod („Hunger“) und dem Verb moryty („zu Tode quälen, verhungern lassen“) zusammen. Es bezeichnet die von der stalinistischen Führung herbeigeführte Hungersnot in der Sowjetukraine in den Jahren 1932–1933, bei der staatliche Maßnahmen den Tod von Millionen Menschen bewusst in Kauf nahmen.
- Zwangskollektivierung
- Ende der 1920er Jahre zerstörte die sowjetische Führung die traditionelle bäuerliche Landwirtschaft und zwang Millionen Bauern in staatliche Kollektivbetriebe.
- Beschlagnahmung von Lebensmitteln
- Staatliche Kommandos beschlagnahmten Getreide, Saatgut und andere Lebensmittel selbst dort, wo Menschen bereits Hunger litten.
- Abriegelung der Regionen
- Hungernde Bauern durften ihre Dörfer häufig nicht verlassen; Reiseverbote und Kontrollen verhinderten Flucht und Nahrungssuche.
- Opferzahlen
- Die Hungersnot kostete Millionen Menschen das Leben. Konservative demographische Schätzungen gehen meist von etwa 3 bis 5 Millionen Toten in der Ukraine aus. Andere Berechnungen kommen zu deutlich höheren Zahlen. Die genaue Opferzahl bleibt schwer zu bestimmen, da sowjetische Behörden Statistiken manipulierten oder unterdrückten.
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